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Sonderdruck aus: PHYSIKALISCH-DIÄTETISCHE THERAPIE 11/64, 5. Jahrgang

Unspezifische Umstimmungstherapie

Eine Anzahl Leser hat die Schriftleitung gebeten, die Grundlagen und Technik der Umstimmungstherapie darzustellen. Wir berichten laufend über die verschiedenen Formen dieser Behandlung unter dieser Rubrik.

Aktiviertes Autohämolysat zur verbesserten Eigenblutbehandlung

Von Karl Windstosser

Leben besteht aus Aktion und Reaktion. Gesundheit spielt sich im mittleren Bereich zwischen den Aktions- und Reaktionsextremen ab. Grenzüberschreitungen der Reaktion noch der einen oder anderen Seite bezeichnen wir als Krankheit: Hyperergie - Hypergie. Unsere Therapie zielt im ersteren Fall auf Dampfung, Sedierung, Desensibilisierung, im zweiten auf Anregung, Tonisierung und Sensibilisierung ab.

Sensibilisierend wirken alle Maßnahmen, die - sei es durch physikalische oder medikamentöse Reize, sei es durch Antigenzufuhr - eine - mehr oder weniger spezifische - Reaktion bzw. Antikörperbildung auslösen. Normalerweise verlauft die AntigenAntikörper-Reaktion ohne wesentliche Symptome und hinterlaßt weder einen „Antikörper-Spiegel“ noch eine Alarmbereitschaft. Verbleibt der Organismus jedoch in einem Zustand gesteigerter Empfindlichkeit gegen das zugeführte Antigen, so bezeichnen wir dies als Allergie und das verursachende Antigen als Allergen. Da vollwertige, normale Antikörper solche allergischen Reaktionen nicht auslösen, schiebt man die Schuld an diesem Vorgang auf abnorm gebaute, pathologische Antikörper und bezeichnet diese auch als „Reagine“.

Wir unterscheiden zwischen exogenen und endogenen Allergenen (Auto-Allergene). Im letzteren Fall kann es zur Bildung von Auto-Antikörpern kommen, die unter Umstanden eine „auto-aggressive“ Wirkung haben. Auf dem Internisten-Kongreß in Wiesbaden 1962 berichtete Prof. LETTERER, daß solche Auto-Antikörper introzellulare Agglutinationen, Pracipitationen, Lysen und andere pathologische Zellvorgänge auslösen können. Verlaufen diese Antigen-Antikörperreaktionen unterschwellig, so scheinen sie anabol zu wirken und die Zellfunktion bzw. -regeneration zu fördern. Überschreiten sie dieses Optimum, so wirken sie - analog dem ArndtSchulz'schen Gesetz - katabol, also lahmend auf die Funktion oder zerstörend auf die Zelle. Auto-Immunisierungsvorgänge bedeuten deshalb einen „Steuerungsmechanismus für die Regeneration“ (THEURER).

Die praktische Nutzanwendung dieser Erkenntnis ist, daß wir bei degenerativen Erkrankungen und genetischen Defekten, die mit einer Hypergie oder Anergie verbunden sind, durch relativ große, spezifische Antigenmengen (Cytoplasmatische Präparate der Vitorgen GmbH, Stuttgart 1, Postfach 905: „Revitorgan-Trockensubstanzen“, „Revitorgan-Dilutionen“ , „Serum-Activator nach Theurer“.) eine Sensibilisierung, also Anregung der Regeneration anstreben (vgl. „Technik, Indikationen und Kontraindikationen der-zytoplasmatischen Therapie“ von K. Theurer in Heft 5/1964 der „Physikalisch-diätetischen Therapie“). Bei hyperergischen und allergischen Erkrankungen müssen wir dagegen desensibilisierend vorgehen. Unter Desensibilisierung verstehen wir die Beseitigung oder Dämpfung einer hyperergischen Stoffwechsellage und evtl. damit verbundenen Organsensibilisierung. Der Unterschied zwischen einer desensibilisierenden und sensibilisierenden Behandlung besteht ausschließlich in der Dosierung der verwendeten therapeutischen Reize oder Präparate. Grundsätzlich wirkt jede umstimmende Behandlung, ob nun diätetisch, physikalisch, klimatisch, hydrotherapeutisch, homöopathisch, neural oder durch Akupunktur, sowohl sensibilisierend wie desensibilisierend. Auch hier ist die Art und Stärke des Reizes und seine Wiederholung unter Berücksichtigung der individuellen Reizbeantwortung entscheidend für die Richtung und den Grad des Erfolges.

Auch zur Desensibilisierung können wir uns der spezifischen Antigene bedienen, jedoch in höheren homöopathischen Verdünnungen (Dilutionen). Ein Sonderfall der Desensibilisierung ist die Gegensensibilisierung. Darunter verstehen wir eine Desensibilisierung unter Verwendung körpereigener oder krankheitsspezifischer Antikörper (Auto-Antikörper, Auto-Nosoden, lsopathine). Dieser Vorgang ist nur bedingt als Desensibilisierung zu bezeichnen, da unveränderte körpereigene Substanzen keine Antieigenschaft besitzen. Man nennt sie daher Haptene oder Halbantigene. Nur auf den artfremden (blutgruppenfremden) Organismus wirken sie als Vollantigene. Durch ein von THEURER angegebenes Verfahren können Haptene jedoch in Vollantigene verwandelt werden: Den „Serum-Activator nach THEURER“. Es ist dies ein kolloidaler Komplex aus Kieselsäure und Aluminium-Hydroxyd. Das auf diese Weise erzeugte Auto-Vollantigen löst die Bildung antiallergisch wirkender Auto-Antikörper aus, welche die pathologischen Sensibilisierungsvorgänge abschwächen oder aufheben. Durch Phenolzusatz hat der Serumaktivator gleichzeitig eine sterilisierende und konservierende Eigenschaft. Er läßt sich in Verbindung mit Eigenblut, Eigenserum oder Eigenurin verwenden.

Es werden bei diesem Verfahren keine Zellsubstanzen zugeführt, deren Eiweißmoleküle als Matrizen für eine autokatalytische Regeneration dienen könnten, wie bei der cytoplasmatischen Therapie. Daher ist die De- bzw. Gegensensibilisierung in vielen Fällen nur ein Teil der regenerativen Therapie, allerdings dann ihr erster und wichtigster. Wenn nämlich ein Hyperergiker sogleich mit Antigenen in massiver Dosis behandelt wird, so kann es zu unerwünschten Reaktionen kommen: Zunehmende Beschwerden, allergische Erscheinungen, Fieber etc. Es kann der hohe Autoantikörpertiter aber auch die Antigenwirkung völlig zunichte machen und so den Behandlungserfolg vereiteln. Wir verstehen deshalb auch, daß die Vertreter der cytoplasmatischen und cytotoxischen Behandlungsrichtungen ganz besonders auf der vorausgehenden gründlichen Entherdung des Patienten bestehen. Denn bekanntlich ist jede fokale Belastung mit mehr oder weniger starken Allergisierungs- oder Hyperergisierungsvorgängen verbunden.

An die Beseitigung der Hyperergie schließt sich die allenfalls erforderliche spezifische Sensibilisierung und gezielte cytoplasmatische Therapie an. Ob diese Notwendigkeit vorliegt oder nicht, ist im Verlauf jeder Behandlung von Fall zu Fall zu klären bzw. ergibt sich aus dem Heilerfolg. Oft genug ist dieser schon durch die sorgfältig und lange genug durchgeführte De- bzw. Gegensensibilisierung zu erreichen.

Die Eigenblutinjektion gehört zum festen therapeutischen Rüstzeug vieler Ärzte und war auch durch die Hochflut der Antibiotika, Corticosteroide und sonstigen modernen Präparate nicht zu verdrängen. Das HAFERKAMPsche Buch enthält alles, was man hierüber wissen muß. Daß sich auch eine so bewährte Methode verbessern läßt, liegt in der Entwicklungsfähigkeit aller Dinge. Keineswegs will die Eigenbluttherapie verwandten, älteren, ebenfalls bewährten Heilmethoden wie dem Schröpfen etc. irgendwie Abbruch tun.

Dasselbe gilt vom Aderlaß und vom Blutegel. Jede Methode hat ihren bestimmten bewährten Indikationsbereich. Diesbezüglich interessierte Kollegen seien auf die einschlägigen Bücher von SCHARFBILLIG, BOTTENBERG u. a. verwiesen. Mit zunehmender Erfahrung wird jeder biologische Arzt mitunter dem einen, dann wieder dem anderen Verfahren den Vorzug geben. Wer je einen kaum bewegungsfähigen Lumbagopatienten nach der Anwendung von 10-12 kräftigen Schröpfköpfen - blutig oder unblutig, je nach Konstitution - aufrecht und nahezu schmerzfrei die Praxis verlassen sah, wird sich dieser Methode von Fall zu Fall gerne bedienen. Zweifellos stellt sie ebenfalls eine milde, vorwiegend örtlich wirkende Eigenbluttherapie dar, neben sonstigen, noch unklaren zonalen und neutralen Effekten. Wo jedoch die allgemein-umstimmende de- oder gegensensibilisierende Wirkung des Eigenblutes erwünscht ist, müssen wir dieses in irgendeiner optimalen Form dem Körper parenteral einverleiben.

L. D. ROGERS empfahl (nach SCHLEGEL) in seinem 1922 erschienenen Buch „Auto-Hemic-Therapy Science“ die Auflösung und Bebrütung einiger Tropfen Patientenblut nebst Reinjektion desselben nach einigen Tagen. Zweifellos trug die hierbei erzielte Hämolyse zu den vom Autor beschriebenen beachtlichen Heilerfolgen bei. Die früheste Veröffentlichung über die therapeutische Verwendung von systematisch hämolysiertem Eigenblut dürfte (nach HAFERKAMP) von R. ZIMMERMANN stammen (1923). Er gab zum frisch entnommenen Blut etwa 10% Aqua. dest. und spritzte davon bis zu 20 ml muskulär. J. A. GOLJANITZKI verwendete zur Beschleunigung der Heilung infizierter Wunden mit Aqua dest. hergestelltes Eigenbluthämolysat als Injektion (1924). Er beobachtete danach mäßige Leukozytose und Lymphazytose. NOWACK berichtete über gute Wirkung von Eigenbluthämolysat bei hämophilen Blutungen (1931). Das gleiche versuchten P. J. ABRAMI, DALSAC und R. WALLICH intravenös bei weiblicher Sterilität (1937). K. BRUNNER und T. BREUER nahmen etwa 70% Aqua. dest. zum Blut und reinjizierten ebenfalls intravenös. WEISSENBACH und SEIDMANN versetzten Blut mit Zitrat und Äther. Letzterer wurde zum Verdunsten gebracht und das so entstandene Hämolysat in kleinen Mengen, beginnend mit 0,2 ml, intrakutan gespritzt. R. KOSCHADE verwendete stufenweise mit Aqua dest. verdünntes Blut (1930/40). HOCHREIN behandelte Hypertoniker mit Autohämolysat, dessen Wasseranteil er von 30 auf 70% steigerte (1953). Dasselbe Verfahren wendete JOCHUMS an, jedoch intravenös (1954). A. GRUGER schrieb 1956 über Eigenbluthämolysat, das er mit 20% Aqua dest. ansetzte und von dem er zunächst bis zu 20 ml, später mit gleich gutem Erfolg nur noch 2 ml spritzte. HAFERKAMP potenziert das Patientenblut mit Aqua bidest. nach dem homöopathischen Prinzip bis zu D 3 und D 4 und spritzt in fallender Potenz, wobei er bei chronischen Krankheiten höhere, bei akuten Krankheiten tiefere Potenzen bevorzugt. Es fiel ihm das dabei oft rasch einsetzende Absinken der Eosinophilen auf „lange, bevor sich klinisch eine Besserung bemerkbar macht“. Der gleiche Autor gibt außerdem ein vereinfachtes Verfahren an, wobei 2 ml Aqua bidest. mit 8 ml Venenblut gemischt und sogleich wieder i.m. oder i.v. gespritzt werden. In Amerika soll die Behandlung von Hypertonikern mit 5 ml Blut und 1 ml Wasser üblich sein. LISENOWA (zitiert von HAFERKAMP) gibt zu 7 ml Blut 3 ml Wasser, ändert dieses Verhältnis dann auf 6 + 4, 5 + 5 usw., bis er schließlich 3 ml Blut und 7 ml Wasser injiziert.

SPENGLER wies um die Jahrhundertwende nach, daß die Erythrozyten vorwiegend die Träger der Antikörper sind. Ihr Lysat wirkt diesbezüglich noch in 50.000facher Verdünnung antitoxisch stärker als das Serum. Spenglersan ist homöopathisch verdünntes Hämolysat (D 9) spezifisch vorbehandelter Tiere. Erwähnt sei ferner, daß auch das Präparat „Actihaemyl“ aus tierischem Hämolysat gewonnen wird. Durch Zerfall der Thrombozyten wird Thrombin, durch den Zerfall der Leukozyten und Lymphozyten Histamin frei, ferner der neuerdings beschriebene „Transfer-Faktor“. Ob dabei auch Nekrohormone der zugrundegegangenen Zellen zur Wirkung kommen, die speziell stimulierend etwa den Blutbildungsprozeß beeinflussen, konnte weder für Eigenblut noch für die gesamte Zellulartherapie bisher exakt nachgewiesen werden. Auch an die Wirkung spezifischer Mitochondrien oder anderer frei werdender Zellbestandteile (Nucleinsäuren, Nucleoproteide etc.) ist zu denken.

Was mich veranlaßte, etwa um 1950 Versuche mit hämolysiertem Eigenblut anzustellen, war die Überlegung, daß nativ gespritztes Blut am Ort seiner Injektion ein Koagulum bildet, dessen Auflösung und Resorption von den verschiedensten fermentativen Faktoren des Organismus abhängig ist, sich unbestimmte Zeit hinziehen und den gewünschten Heilerfolg damit verzögern oder in Frage stellen kann. Hämolysiertes Blut wird viel schneller resorbiert, weshalb bei diesem Verfahren auch kleine Mengen wirksamer sind als ein mehrfaches an unverändertem, in der bisherigen Weise gespritztem Eigenblut.

Da ich mich schon vor Beginn dieser Modifikation der Eigenbluttherapie gerne des THEURERschen Serumaktivators bediente, versetze ich auch das Hämolysat damit. Nach dem oben erwähnten ist dadurch eine besondere Wirkungssteigerung zu erzielen. Es sei für das so hergestellte Präparat die Bezeichnung „Aktiviertes Autohämolysa“ AAH vorgeschlagen. Seine Herstellung ist einfach, wenn man sich dazu eines Ampullensatzes bedient, der die nötigen Flüssigkeiten steril und gebrauchsfertig enthält (Zu beziehen durch Firma „Biotest“, 8182 Bad Wiessee, Postfach 229.). Es sind dies - vgl. die Abbildung - Ampulle 1 mit 4 ml sterilem Aqua bidest, ent-

 

 

haltend 0,5 % Natriumcitrat, zur Herstellung der Stammlösung, ferner 3 Ampullen mit je 8 ml sterilem isotonischen Meerwasser zur Herstellung der Verdünnungsstufen. Der Zitratzusatz soll auf alle Fälle die Entstehung feiner Koagula verhindern, die bei der Entnahme des Hämolysates zur Weiterverdünnung die Kanüle verstopfen könnten. Therapeutisch ist er unwirksam, zumal sich das Zitrat in den Verdünnungen ebenfalls weiterverdünnt. Dasselbe gilt auch für den Phenolgehalt des Aktivators.

In Ampulle 1 werden 1-2 ml Patientenblut gegeben, dem man in der Spritze 1 ml Serum-Aktivator beimischt. 1 ml Blut ist bei besonderer Hyperergie empfehlenswert, üblicherweise können 2 ml genommen werden. Diese Stammlösung wird gut verschüttelt und bleibt unter wiederholtem Schütteln 24 Stunden stehen - ehe sie weiterverdonnt wird. Diese Zeitspanne ist zur gründlichen Hämolyse und zum Wirksamwerden des Aktivators nötig. Aus Ampulle 1 werden nun 1-2 ml Stammlösung entnommen und in Ampulle 2 gebracht, nach kräftiger Verschüttelung hiervon 1-2 ml in die 3. Ampulle, wieder verschüttelt und davon schließlich die gleiche Menge in die 4. Ampulle. Auch hier gilt, daß die Verdünnung 1 + 8 den „normalen“ Krankheitsfällen vorbehalten bleibt.

Werden die Hämolysatverdünnungsstufen in der angegebenen Weise mit je 1 ml angesetzt, so enthält die 4. Ampulle 0,00039 Patientenblut, was etwa der hom. Potenz D 3 entspricht. 1 ml dieser Verdünnung enthält 0,0000433 ml Patientenblut. Bei Verwendung von 2 ml enthält Ampulle 4 0,00078 ml, also das Doppelte.

Selbstverständlich kann ab Ampulle 1 auch jeder andere Verdünnungsmodus durchgeführt werden, etwa 1/2 ml, 1/4 ml oder 1/10 ml aus Ampulle 1 in Ampulle 2 usw. Es entsteht dann in Ampulle 4 eine (annähernde) D 4 - D 5 - D 6. Zur intracutanen Applikation, bei der stets mit erheblich stärkeren lokalen und allgemeinen Reaktionen gerechnet werden muß, sind diese höheren Verdünnungen zu bevorzugen. Doch habe ich von dieser, auch in der den Serum-Activator-Ampullen beiliegenden Anweisung empfohlenen i.-c.-Methode schon seit Jahren keinen Gebrauch mehr gemacht.

Die Vorteile des AAHs gegenüber der üblichen Eigenblutinjektion sind seine sichere, dosierbare und ungefährliche isopathische Wirkung, seine einfache Herstellung, seine Billigkeit und der Umstand, daß nur eine einmalige Blutabnahme erforderlich ist, was bei Kindern und Patienten mit schlechten Venen nicht unwesentlich ins Gewicht fällt. Da die Verdünnungen isotonisch sind, ist ihre Injektion im. und sc. praktisch schmerzlos.

Zu beachten ist, daß die ganze Behandlung - wie jede Antigentherapie - um so wirksamer und reaktionsloser verläuft, je kleiner man die Anfangsdosis wählt und je vorsichtiger die weiteren Injektionen in ihrer Menge gesteigert werden. Ich beginne grundsätzlich mit 1 ml AAH aus Ampulle 4 intraglutäal. Zeigt sich keine besondere Reaktion, so kann schon noch zwei oder drei Tagen erneut gespritzt werden und zwar unter jeweiliger Verdoppelung der Menge, also erst 2, dann 4 ml. Die folgenden drei Injektionen werden der Ampulle 3 entnommen und in gleichem Abstand und Quantum wie die drei ersten gegeben. Verträgt der Patient auch diese anstandslos, so bekommt er auch aus Ampulle 2 in gleicher Weise die drei ansteigenden Einspritzungen von 1, 2 und 4 ml. Aus Ampulle 1 mit der Stammlösung spritze ich im allgemeinen nicht. Eine Verlängerung der Intervalle oder Reduktion der Dosen ist nur bei Auftreten irgendwelcher örtlicher oder allgemeiner Erscheinungen erforderlich. Seiten sind mehr als die erwähnten 3 X 3 = 9 Injektionen erforderlich. Die Dauer der Behandlung ist somit 30-40 Tage.

Muß aus irgendwelchen Gründen eine längere Unterbrechung der Kur eintreten, so geht man zweckmäßigerweise wieder um einige Stufen zurück, sofern die restlichen Verdünnnungsmengen dies erlauben, oder stellt ein neues Hämolysatpräparat nebst Verdünnungen her, mit dem man dann von vorne beginnt. Dies ist stets erforderlich, wenn eine AAH-Behandlung wiederholt werden soll oder es zu einer besonders schweren Krise, einer interkurrenten Krankheit, einer Operation oder Bestrahlung etc. kommt, die einen neuen Reaktionszustand mit veränderter „Blutqualität“ mit sich bringt.

Ein Unsterilwerden der AAH-Präparate ist nicht zu befürchten, wenn bei der Herstellung und Entnahme streng aseptisch gearbeitet wird. Die Ampullen brauchen auch keineswegs im Kühlschrank aufbewahrt zu werden, sofern man sie innerhalb von 4-5 Wochen aufbraucht.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, daß AAH mit anderen Präparaten als Mischspritze gegeben werden kann. Falls erwünscht, kann manchen (nicht zu Unrecht) spritzenscheuen Patienten, die gegen Eigenblut kaum Einwände erheben, eine solche Beimischung mit einigem Geschick verheimlicht werden. Es scheint mir auch, als ob die Wirkung mancher anderer Medikamente durch die Kombination mit AAH gesteigert werde.

Es ist der Überlegung im Einzelfall vorbehalten, die AAH-Injektionen gleichzeitig mit den desensibilisierenden Revitorgan- Dilutionen zu geben, was gewissermaßen die De- bzw. Gegensensibilisierung organspezifisch leitet und ergänzt. Trockenzellpräparate gebe ich jedoch grundsätzlich erst nach Abschluß der desensibilisierenden Behandlung.

Das dentale Herdgeschehen bedarf, sofern es zu Fernschäden geführt hat, nach der Extraktionsbehandlung grundsätzlich einer sorgfältigen Desensibilisierung. Bei über 600 derart behandelten Fokalkranken habe ich auf diese Weise weder eine Komplikation noch eine Enttäuschung erlebt. Die Vorteile eines solchen Vorgehens sind leider Ärzten wie Zahnärzten noch immer viel zu wenig bekannt. Nur die Unterlassung einer solchen desensibilisierenden Allgemeinbehandlung (die sich selbstverständlich außer des AAHs aller anderen biologischen Methoden wie Heildiät, Fasten, Hydrotherapie, Überwärmungsbäder, RÖDERsche Mandelbehandlung, Akupunktur etc. bedienen kann) ist an den Mißerfolgen einer korrekt und gründlich vorgenommenen Entherdung schuld. Das gleiche gilt für die Behandlung tonsillärer Herde (Vgl . Dr. WINDSTOSSER, „Das dentale Herdgeschehen in biologisch-medizinischer Sicht“, Hippokrates 1959, Heft 3.). Dank der genauen Dosierungsmöglichkeit des AAHs kann man sogar in der hyperergischen Phase fokalbedingter Krankheiten spritzen, die sonst eine Kontraindikation für jede Sanierungsmaßnahme darstellt.

Bei allen auf Praekanzerose verdächtigen und manifest krebskranken Patienten, besonders vor und nach der Operation oder Bestrahlung, bediene ich mich ebenfalls dieser desensibilisierenden Methode, wobei ich gerne AAH mit immunbiologischen Präparaten (nach ENDERLEIN oder von BREHMER) oder Iscador in der genauen Dosierung kombiniere. Neuere Arbeiten weisen eindeutig auf die Notwendigkeit und ausgezeichnete Wirkung jeder mesenchymal oder reticuloendothelial angreifenden Therapie bei malignen Erkrankungen hin (ALTMANN, AIGINGER, ISSELS, PISCHINGER u. a.). Dieser Forderung kann mit AAH in einfacher und wirtschaftlicher Weise entsprochen werden.

Die Indikationsbreite des AAHs - für sich allein oder als Hilfstherapie - umfaßt also vor allem vier Gebiete:

  1. Die Allergien und Hyperergien aller Art.
  2. Die Inaktivitats- oder Degenerationsleiden (als Vorbereitungstherapie einer sich anschließenden spezifischen cystoplasmatischen oder zellulären Sensibilisierung).
  3. Das Fokalgeschehen jeder Herkunft und Lokalisation.
  4. Das Krebsgeschehen einschließlich der Praekanzerose.

Eine Kontraindikation sind lediglich aktive tuberkulöse Prozesse, bei denen jede noch so geringe Reizung schädlich sein kann, ferner schwere kachektische Zustände, die überhaupt keine Antigen-Antikörperreaktion mehr erwarten lassen.

Einen besonderen Hinweis verdient allenfalls noch der Umstand, daß die BKS-Werte im Verlauf der AAH-Therapie infolge der Eiweißresorption erheblich ansteigen können und daß aus dem gleichen Grund auch bei WELTMANN, TAKATA-ARA und MANCKE-SOMMER u. U. Linksverschiebungen auftreten. Es ist also empfehlenswert, den Ausfall dieser Reaktionen nicht vor Ablauf von mindestens vier Wochen nach der letzten AAH-Injektion zu bewerten. Die Wirkung auf andere Serumlabilitätsproben bzw. auf die Serum-Enzym- und Elektrophoresewerte ist mir nicht bekannt.

Anschrift des Verfassers: Dr. K. WINDSTOSSER, 8182 Bad Wiessee, Landhausklinik, Postfach 229

 

 


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