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Erfahrungsheilkunde, Zeitschrift für die ärztliche Praxis, KARL F. HAUG VERLAG - HEIDELBERG, Band 23 Heft 5, Mai 1974

Eine Methode der vereinfachten Blutwäsche nach Windstosser

Von KARL WINDSTOSSER

Von Herrn WOLFF wurde meinem Referat freundlicherweise das Prädikat einer authentischen Methode eingeräumt. Ich darf der Ordnung halber feststellen, daß in dem 1970 erschienenen Ozonosanprospekt eine ähnliche Technik als "kleine und große Eigenblutbehandlung mit Ozon" angegeben ist. Es war damals noch nichts über meine Modifikation veröffentlicht, mit der ich schon seit 1968 arbeite und die ich inzwischen an nahezu tausend Patienten praktiziert habe. Lege ich für jeden Krankheitsfall im Schnitt 10 Behandlungen zugrunde, so resultieren insgesamt etwa 10 000 Einzelanwendungen dieser Art. Ich darf vorwegnehmen, daß etwa 90 % dieser Patienten Krebskranke oder Krebsgefährdete waren, daß es aber den Rahmen meines Referates sprengen würde, hier näher auf Therapieerfolge einzugehen, die ich abschließend nur kurz streifen möchte.

Ich nenne die von mir benützte Modifikation der Ozonbehandlung eine vereinfachte HOT. Das Verfahren der Hämo-Oxydation wurde vor etwa 30 Jahren von WIEHRLI entwickelt. Den hierfür üblichen Ausdruck "Hämatogene Oxydation" halte ich sachlich und grammatikalisch für falsch, weil der gewünschte Effekt nicht vom Blut ausgeht, sondern von außen in das Blut hineingetragen wird. Der Todestag WEHRLIS, dieses gütigen, bis zuletzt rastlos tätigen und um das Wohl seiner Kranken bemühten Arztes und Forschers, jährt sich in wenigen Monaten zum 10. Male. Bis 1968 bediente auch ich mich der Original-HOT- Methode, und war mit den Erfolgen sehr zufrieden. Als ich mich dann aber fast ausschließlich der Tumortherapie zu widmen begann, empfand ich den Zeitaufwand und die Umständlichkeit dieses Verfahrens immer störender. überzeugt von der günstigen Wirkung der HOT auf die Sauerstoffutilisation und den gesamten Oxydations-Stoffwechsel, suchte ich nach einer Möglichkeit der Vereinfachung. Das Prinzip der Bildung von Ozoniden und Peroxyden durch die Einwirkung von O2O3 auf das entnommene Blut mußte selbstverständlich beibehalten werden. Die Vereinfachung konnte also nur in der Reduzierung der Blutmenge und im Verzicht auf das Originalgerät und die darin vor sich gehende Verschäumung des Blutes bestehen. Ich war mir bewußt, daß die von WEHRLI in jahrelanger Forschung entwickelte Methode damit einschneidend verändert wurde, hatte aber nun den großen Vorteil, in der gleichen Zeit nicht nur eine wesentlich größere Zahl von Patienten, sondern diese auch in kürzeren Abständen um so öfter behandeln zu können.

Was wir brauchen, ist das Ozonosangerät, denn wir müssen natürlich mit exakt dosierbaren Ozon-Konzentrationen arbeiten. Das Schema zeigt jeweils unter a die Spritze, mit der das O2O3-Gemisch dem Gerät entnommen wird und in der die Ozonislierung des Blutes vor sich geht, unter b die Entnahmespritze für das Patientenblut. Ich verwende grundsätzlich Polyvinyl-Spritzen. Abgesehen von der Arbeitseinsparung im Serienbetrieb, haben diese den Vorteil, absolut keimfrei, wirklich dicht und außerdem unzerbrechlich zu sein. Um die Sterilität brauchen wir uns bei Verwendung von Ozon nicht so ängstlich zu kümmern, weil alles, was mit diesem Gas in Berührung kommt, automatisch keimfrei wird. Ozon ist in konzentrierter Form hochtoxisch, in den therapeutisch üblichen Verdünnungen jedoch unschädlich. Der Nachteil der Plastikspritzen ist, daß sie schwer gehen, was sich nach längerem Stechen, sei es mit gasförmigem oder flüssigem Inhalt, verstärkt. Es tritt dann offenbar eine Schrumpfung des Zylinders ein. Im übrigen können mit ozonisiertem Sauerstoff gefüllte Spritzen ohne weiteres 1-2 Stunden liegen bleiben, etwa zwecks Verabreichung am Krankenbett. Der gasförmige Inhalt entweicht ohne Druck auf den Kolben ebensowenig wie eine Flüssigkeit. Es empfiehlt sich vorsichtshalber aber in diesem Fall doch ein Verschluß, wozu ich die kleinen blauen Plastikkäppchen verwende, die von den in der Tumortherapie ebenfalls gebräuchlichen rektalen Wobe-Mugos-Injektoren anfallen. Man kann dazu aber auch die Metall- oder Plastik-Konusse von Injektionskanülen nehmen, nachdem man die Nadel abgezwickt oder abgebrochen hat.

Um die größere der beiden Spritzen mit dem gewünschten Ozonkonzentrat zu füllen, stelle ich am Ozonosangerät fast immer eine Viertelatmosphäre, also 0,25 Atü, ein und drücke den Knopf II. Bei dieser Einstellung entstehen je ml Sauerstoff 30 gamma Ozon. Nachdem man sich an Hand der beiden Manometer und durch kurzen Druck auf das Ausströmventil überzeugt hat, daß das Gerät wunschgemäß funktioniert, setzt man die Spritze auf und zieht den Kolben langsam hoch. Glasspritzen mit leichtgehendem Kolben füllen sich ohne Sog. Was die Ozonmenge und -konzentration betrifft, so war ich damit anfangs etwas ängstlich und wagte zunächst 100, später 200 gamma O3 nicht zu überschreiten. Seit Jahren gehe ich - auch bei unmittelbar intravenöser oder subkutaner Injektion - nur noch selten unter 300 gamma. Diese Menge ist bei der erwähnten Einstellung des Gerätes in 10 ml des korrekt entnommenen Sauerstoffes enthalten. Nur bei Kindern gebe ich weniger.

Meine Modifikation der Ozontherapie besteht nun darin, daß ich das Patientenblut mit dem O2O3-Gemisch gründlich verschüttle und das Ganze sodann glutäal-muskulär einspritze.

Wir begegnen hier also zusätzlich der guten alten Eigenbluttherapie, die von BIER in den 20er Jahren propagiert wurde und sich bei den verschiedensten Erkrankungen infektiöser, toxischer oder allergischer Natur immer wieder bestens bewährt haben [3]. Erst der Penizillin- und Kortison-Ära blieb es vorbehalten, dieses einfache und billige, körpereigene und unschädliche Therapeutikum nahezu völlig zu verdrängen und in Vergessenheit geraten zu lassen. Ich möchte es hier auch jenen Kolleginnen und Kollegen empfehlend in Erinnerung bringen, die nicht oder noch nicht mit dem Ozonosangerät arbeiten. Aber gerade im Synergismus des sowohl desensibilisierenden als auch aktivierenden Effektes des Eigenblutes einerseits, der Ozonwirkung andererseits scheint der Vorteil zu liegen gegenüber der einfachen, bisher üblichen parenteralen Anwendung von Ozon und der originalen HOT.

Selbstverständlich können mit der Blutentnahmespritze (b) dem Patienten vorher alle erforderlichen Medikamente i. v. verabreicht werden, um nicht 2mal stechen zu müssen. Gerade in der prä- und postoperativen Tumortherapie ist die langfristige Substitution von Vitaminen und Elektrolyten auch zur Verbesserung der Sauerstoffutillsation von größter Wichtigkeit. Ich gebe diese Präparate während der ersten Wochen mindestens jeden 2. Tag, später seltener, schließlich nur noch alle paar Wochen, aber immer in Verbindung mit einer anschließenden Blut-Ozonisierung, sei es direkt i. v., sei es als vereinfachtes HOT.

Mit der 20-ml-Spritze wird dem Ozonosangerät also das gewünschte Gasgemisch entnommen (2 a). Stellen wir die vorhin angegebenen Zahlen ein, Druck 0,25 und Stärke II, so sind in 20 ml Sauerstoff 600 gamma O3 enthalten. Ziehen wir den Kolben bis zum Anschlag (A), so enthält die Spritze etwa 30 ml Sauerstoff und 900 gamma Ozon. Wenn wir nach Umsetzen der Nadel jetzt die 10 ml Blut (2 b) in die gasgefüllte Spritze (3 a) umfüllen, so verdrängt uns das Blut etwa 1/3 des Inhaltes, so daß

schließlich wieder rund 20 ml O2 mit 600 gamma O3 vorhanden sind. Dieses Blut-Gasgemisch schüttle ich 20-30 Sekunden und spritze es mit der gleichen Kanüle dem Patienten sofort glutäal wieder ein (4 a). Der entstehende Schmerz ist gering, meist wird nur ein gewisser Druck angegeben.

 

Vollzieht sich das Verfahren innerhalb von 2-3 Minuten, so ist normalerweise keine Gerinnung des Blutes zu befürchten. Man verwendet Kanülen Nr. 1 oder 2, durch die sich übrigens auch ein eben gerinnendes Blut mit einigem Druck noch reinjizieren läßt. Bekanntlich weisen Krebskranke und Krebsgefährdete vielfach eine erhöhte Gerinnungsbereitschaft auf (Mangel an fibrinolytischen Fermenten, vermehrte Fibrinbildung, erhöhter Blut-Kalziumspiegel etc.). Viel seltener besteht das Gegenteil, eine hämorrhagische Diathese. Wir tun also gut daran, in die mit O2O3 gefüllte Spritze vor der Umfüllung des Blutes eine gerinnungshemmende Substanz zu geben. Dazu nehme ich 1 ml Liquemin oder Heparin, wirtschaftlicherweise aus Ampullenfläschchen. Die dem Patienten damit jeweils zugeführten 5 000 E machen, auch wenn sie täglich oder jeden 2. Tag gegeben werden, keine Überwachung der Gerinnungsfaktoren erforderlich. Selbstverständlich wird man darauf aber verzichten, wenn die Blutungszeit oder die Thrombozyten von der Norm abweichen, wenn Blutungsgefahr droht oder wenn ein chirurgischer Eingriff beziehungsweise eine Zahnextraktion bevorsteht. Es liegen zahlreiche Arbeiten vor über die Wirkung der Antikoagulantien und Fibrinolytika bei Tumorleiden, die von einer signifikanten Reduzierung der Metastasenhäufigkeit bei systematischer Anwendung solcher Präparate im operativen Stadium berichten (1,2). Offenbar läßt sich damit die Neigung zu Mikrothromben und zu erhöhter Haftfähigkeit (stickiness) verschleppter Krebszellen als wachstumsbegünstigende Faktoren herabsetzen.

Auf eine Kleinigkeit in der Technik darf ich noch hinweisen. Wenn man die beiden Spritzen beim Umfüllen des Blutes (3 a/b) etwas fester gegeneinander preßt - was schon deshalb empfehlenswert ist, damit sich die Nadel nicht vom Konus löst -, so entsteht im Spritzeninneren ein gewisser Überdruck, der sich auf die Imprägnierung des Sauerstoff-Ozongemisches in das Blut günstig auswirkt. Man muß den Kolbengriff der gasgefüllten Spritze (3 a) dabei so geschickt halten, daß der Kolben nicht über die Arretierung herausgedrückt wird. Die Folgen einer solchen Panne sind - wie ich Ihnen aus eigener Erfahrung berichten darf - für alle Beteiligten äußerst unangenehm und verursachen eine längere Unterbrechung des Praxisbetriebes.

Wie ich eingangs sagte, behandle ich in dieser Weise vorwiegend Krebskranke und Krebsgefährdete, selbstverständlich im Rahmen aller übrigen, Ihnen bekannten Maßnahmen der ganzheitsmedizinischen Tumortherapie, und möchte diese Kombination nicht mehr missen. Außerhalb dieses Patientenkreises halte ich die vereinfachte HOT für besonders wirksam bei allen Durchblutungsstörungen peripherer und zentraler Art. Unter den Allergien und chronisch rezidivierenden Erkrankungen reagieren besonders gut die endogen-ekzematösen und urtikariellen Erscheinungsbilder sowie die Colitis mucosa. Einige - allerdings nur vereinzelte - sensationelle Erfolge habe ich bei bisher therapieresistenten Migränefällen erlebt, doch wurde auch hier die Behandlung nicht ausschließlich mit Sauerstoff-Blutwäschen durchgeführt.

Ich hoffe, manchen von Ihnen mit dieser Mitteilung eine therapeutische Anregung gegeben zu haben.

Literatur:

[l] GASTPAR, H.: Metastasierung und Blutgerinnung. In: DEUTSCH, E., FISCHER, M., LECHNER, K.: Fibrinstabilisierender Faktor, Struktur des Blutgerinnsels, Krebs und Blutgerinnung. Verlag F. K. Schattauer, Stuttgart, 1968.

[2] RIES, J., LUDWIG, H., APPEL, W.: Antikoagulantien bei der Strahlenbehandlung weiblicher Genitalkarzinome. Med. Welt 19, 1968.

[3] WINDSTOSSER, K.: Aktiviertes Autohämolysat zur verbesserten Eigenblutbehandlung. Phys. Diät. Therap. 11, 1964.

(Anschrift des Verfassers: Dr. med. K. Windstosser, 4902 Bad Salzuflen, Moltkestraße 13)

 

 


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